Ablauf eines Vorstellungsgesprächs

1. Ankunft, Begrüßung, Small Talk im Vorstellungsgespräch

Ihr Auftritt beginnt ab dem Moment, wenn Ihre Gesprächspartner abholen und Sie sich gegenseitig vorstellen. Auf dem Weg zu dem Raum, in dem das Gespräch stattfinden soll, findet ein erster Small Talk statt. Ob Sie nach Ihrer Anreise („Haben Sie den Weg zu uns leicht gefunden?“) oder nach dem Wetter („Für einen Tag im August ist es doch deutlich zu kühl, oder?“) gefragt werden, ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist es, jetzt locker und natürlich erste Sätze auszutauschen.

„You never get a second chance to make a first impression.” – Oscar Wilde

Nach wie vor gilt diese Regel, dass der erste Eindruck, den Sie bei Ihrem Gegenüber erwecken, unglaublich nachhaltig wirkt. Gerade in den ersten Momenten des Vorstellungsgesprächs liegt also Potenzial für Sie, das Sie für sich nutzen sollten.

Kommunizieren Sie also von Anfang an aufgeschlossen und selbstsicher. Suchen sie Augenkontakt, lächeln Sie. Nichts wirkt unangenehmer als langes Schweigen nach der ersten Begrüßung oder ein von Anfang an verschreckt wirkender Bewerber. Zeigen Sie, dass Sie sich auf das Gespräch freuen und interessiert daran sind, Ihr Gegenüber kennen zu lernen.

Nehmen Sie doch bitte Platz!

  • Setzen Sie sich erst dann, wenn Ihnen ein Platz angeboten wird. Nehmen Sie gleich eine aufrechte Sitzhaltung ein, bleiben Sie aktiv in der Körpersprache, setzen Sie Gesten moderat für sich ein. So zeigen Sie Ihre Aufmerksamkeit, Ihr Interesse und Ihre Begeisterung für den neuen Job in Ihrer Körperhaltung.
  • Denken Sie daran, lassen Sie Ihre Gesichtszüge möglichst entspannt. Die Sorgenfalte auf der Stirn wirkt gern angestrengt.
  • Schultern locker! Sollten Ihre Schultern fast an Ihren Ohren kleben, zeigt dies nach außen zu sehr Anstrengung und Anspannung. Und gerade das möchten Sie doch nicht!
  • Meist bietet Ihnen Ihr Gesprächspartner ein Getränk an. Nehmen Sie es an. Im Verlauf des Gesprächs kann ein Schluck Wasser gut tun und bietet Ihnen außerdem etwas Zeitaufschub bei unangenehmen Fragen.

2. Darf ich mich vorstellen?

Jetzt stellen sich die Gesprächsteilnehmer kurz einander vor.

Mit welchen Schwerpunkten und mit welchen Formulierungen Sie sich vorstellen, können und sollten Sie üben. Was möchten Sie in Kürze über sich sagen?

CVLab-Tipp: Ihr Gegenüber wird aller Wahrscheinlichkeit nach sehr viele Vorstellungsgespräche durchführen. Gestalten Sie deshalb gerade den Einstieg charmant und souverän. Keine Floskeln sondern ehrlich gemeinte Auskünfte sind angebracht.

„Als langjährig erfahrene Pressereferentin möchte ich gern eine neue Herausforderung annehmen und würde mich freuen, in Ihrem Unternehmen….“

klingt nicht so lebendig wie:

„10 Jahre PR-Erfahrung, davon 5 Jahre Online-Redakteurin, ein Netzwerk von mindestens 100 relevanten Journalist/-innen – all das bringe ich mit.“.

Denn Zahlen bleiben bei Ihrem Gegenüber im Gedächtnis haften.

Sehr wahrscheinlich wird Ihr Ansprechpartner Ihnen Informationen über das Unternehmen, den entsprechenden Bereich bzw. die Abteilung geben und Ihnen etwas über den Job selbst berichten.

CVLab-Tipp: Machen Sie gegebenenfalls Notizen zu Informationen, die später im Gespräch noch wichtig werden könnten, wenn Sie aufgefordert, Ihre Fragen an das Unternehmen zu stellen.

Achtung im Vorstellungsgespräch: An dieser Stelle ist es durchaus realistisch, dass Sie mit Fragen über das Unternehmen oder den neuen Arbeitsbereich konfrontiert werden. Schließlich möchte der Personaler wissen, ob Sie Ihre Hausaufgaben erledigt haben und Ihre Recherchen verbal präsentieren können.

3. Warum bewerben Sie sich denn eigentlich hier?

Jetzt steht Ihre Motivation für einen beruflichen Wechsel und speziell natürlich für genau diese Stelle im Fokus.

Auch auf diese Fragestellungen haben Sie sich vorbereitet und können fernab aller Phrasen antworten. Gerade die Frage, warum Sie genau diesen Job haben möchten, sollten Sie realistisch sehen. Kein Personaler möchte in jedem Vorstellungsgespräch immer wieder hören, dass genau sein Unternehmen den Bewerber so begeistere etc. pp. – Was ist es denn speziell, das Sie an dem neuen Job und an dem neuen Unternehmen interessiert? Was möchten Sie dort einbringen? Begründen Sie Ihre Entscheidung mit Beispielen, die Ihrer persönlichen Motivation entsprechen.

Beispiele für Argumente:

  • Das Unternehmen ist in einem Bereich besonders innovativ.
  • Sie möchten gern in einem kleineren, familiären Unternehmen arbeiten.
  • Das Unternehmen hat besonders interessante Projekte/Kunden, und zwar….
  • Das Unternehmen setzt sich im Bereich Umwelt/Nachhaltigkeit stark ein….
  • Das Zertifikat „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, das dem Unternehmen verliehen wurde, motiviert Sie.

4. Und nun zu Ihrem Lebenslauf

Der Personaler wird Sie auf jeden Fall gezielt auf einzelne Stationen in Ihrem Lebenslauf ansprechen und Ihnen ggfs. auch kritische Fragen stellen. Gerade wenn Sie Lücken oder Brüche in Ihrer beruflichen Biografie vorweisen, sollten Sie sich eine ehrliche, glaubwürdige Antwort dazu überlegen.

Begründen Sie Ihre Antworten, nennen Sie möglichst ein Beispiel, um anschaulich zu argumentieren.

5. Wer sind Sie denn so?

Hard Skills lassen sich gegebenenfalls durch Weiterbildungen noch ergänzen und ausbauen. Ihre Persönlichkeit ist aber ein so entscheidender Faktor, der Sie für Ihren Wunschjob gut geeignet erscheinen lässt – oder eher nicht.

CVLab-Tipp: Wenn Sie mit der Frage nach Ihren Stärken und Schwächen konfrontiert werden, antworten Sie bedacht (und wohl vorbereitet). Zwei oder drei Stärken, über die Sie tatsächlich verfügen (keine Fiktion) sollten Sie aus dem Ärmel schütteln können. Als Sie Ihre Bewerbung geschrieben haben, war vielleicht Ihr Profil der Anlass, sich noch mehr mit Ihren Stärken und Schwächen zu beschäftigen.

Belegen Sie Ihre starken Eigenschaften mit einem Beispiel, wie:

„Ich arbeite gern mit anderen Menschen in einem Team, habe eine Moderatorenausbildung gemacht, um Teammeetings noch besser strukturieren zu können.“

Jetzt wird es schwieriger. Benennen Sie eine Schwäche, die indirekt wiederum etwas Positives hat. Ihre Schwäche sollte Sie auf gar keinen Fall für den neuen Job als ungeeignet erscheinen lassen.

Unpünktlichkeit oder eine chaotische Organisation lassen Sie lieber außen vor. Wer möchte mit einem notorischen Zuspät-Kommer oder mit einem dauerhaft unordentlichen Kollegen zusammen arbeiten?

Besser passen könnte:

„Ich bin dabei, meine Sprachkenntnisse zu verbessern, da sehe ich noch Potenzial.“

Voraussetzung hierfür ist, dass der neue Job nicht gerade hervorragende Sprachkenntnisse erfordert. Benennen Sie also eine Eigenschaft oder Fähigkeit, an der Sie arbeiten können.

6. Noch Fragen?

Sicherlich bietet Ihnen Ihr Gegenüber jetzt an, Ihre Fragen zu stellen. Nutzen Sie die Gelegenheit, greifen Sie ggfs. auf Ihre Notizen vom Anfang des Gesprächs zurück und erkundigen Sie sich nach einem Detail über Ihren neuen Arbeitsbereich/die Abteilung etc.

Nicht erfragen sollten Sie aber Urlaubstage, Gehalt & Tantiemen, sofern dies nicht Bestandteil Ihres ersten Gespräches war. Oftmals sind das Themen für eine zweite Gesprächsrunde. Zu schnell danach zu fragen, könnte irritierend wirken.

7. Hoffentlich: Auf Wiedersehen!

Bleiben Sie aktiv und freundlich bis zum Schluss, verabschieden Sie sich höflich, mit aufrechter Haltung und vielleicht sogar lächelnd. Vielleicht folgt ja die Einladung zu einem entscheidenden zweiten Gespräch?

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Susann Damati

Über ein Studium der Geschichte und Englischen Literatur in Düsseldorf sowie anschließend weitere berufliche Etappen führte mich der Weg zu der Verlag Dashöfer GmbH in Hamburg, einem Wirtschaftsfachverlag.

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