Fragen im Vorstellungsgespräch

Ein Vorstellungsgespräch kommt einer Prüfungssituation mit zahlreichen Fragen, darunter gern bissige, kritische, angriffslustige Fangfragen, sehr nahe. Auf alle Arten von Fragen können Sie sich gut vorbereiten, um Ihr Gegenüber im Jobinterview von sich zu überzeugen.

Der Ablauf eines ersten Vorstellungstermins bei Ihrem potenziellen, neuen Arbeitgeber entspricht meist einem Standardschema:

  • Begrüßung, Small Talk
  • Ihre persönliche Vorstellung
  • Ihre Motivation für die Bewerbung
  • Ihr Lebenslauf
  • Ihre Ziele, Interessen, Stärken
  • Ihre Fragen an das Unternehmen
  • Verabschiedung.

Nutzen Sie hier auch die CVLab-Checkliste zum Vorstellungsgespräch.
Diesem Aufbau entsprechend sollten Sie sich auf diverse Standardfragen einstellen und Ihre Antworten darauf vorbereiten.

Begrüßung & Vorstellung

  1. Haben Sie gut her gefunden?
  2. Wenn Sie nicht aus dem Ort kommen, in dem die neue Firma sitzt: Kennen Sie die Stadt XY bereits?
  3. Erzählen Sie etwas von sich selbst!
  4. Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?
  5. Was ist Ihr Lieblingsbuchtitel?
  6. Welche Tageszeitungen lesen Sie?
  7. Welche Hobbys/Interessen haben Sie?
  8. Welche Fremdsprachen sprechen Sie? Welche Fremdsprachen im Lebenslauf möchten Sie noch lernen?
  9. Sind Sie kreativ?
  10. Wie motivieren Sie sich?
  11. Kann man sich auf Sie verlassen?

Betrachten Sie diese Phase des Gesprächs als Warm-Up. Ihr Gesprächspartner, ggf. der Personaler, ist sehr versiert in derartigen Gesprächssituationen und holt sie mit seinen ersten Fragen ab. So überwinden Sie Ihre anfängliche Nervosität und kommen in einen Gesprächsfluss.

Warum möchten Sie denn ausgerechnet hier arbeiten?

Fragen im VorstellungsgesprächIn dieser Gesprächsphase geht es um Ihre berufliche Motivation. Der Personaler ist daran interessiert, warum Sie Ihren Job wechseln möchten und noch viel mehr, warum Sie sich genau bei diesem Unternehmen für genau diesen Job bewerben.

Diplomatie und Fingerspitzengefühl sind gefragt, wenn Sie mit Ihrer derzeitigen beruflichen Position bzw. Ihrem Umfeld unzufrieden sind. Bewahren Sie immer eine professionelle, diskrete Haltung, kritisieren Sie Ihren Arbeitgeber und Ihren gesamten Job nicht, sondern betonen Sie lediglich Ihren Wunsch nach Veränderungen.

CVLab-Tipp: Lästerattacken über Ihren Noch-Arbeitgeber sind mehr als unangemessen und bringen Sie im Bewerbungsgespräch ins Abseits.

Selbst wenn Sie sich aus Unzufriedenheit mit Ihrem bisherigen Job neu bewerben, betonen Sie immer die positiven Aspekte, wie:

„Ich habe hier inhaltlich viel gelernt (und zwar: xxxx), möchte mich aber mehr in die Richtung xxxx entwickeln.“

„Ich fand es spannend, das Projekt xxxx mitzugestalten, möchte jetzt aber noch mehr im Online-Marketing xxxx lernen, bearbeiten, koordinieren etc.“

Folgende Fragen sollten Sie für sich inhaltlich vorbereiten:

  1. Wenn Sie aus einer Festanstellung heraus suchen: Warum möchten Sie sich beruflich verändern? Was gefällt Ihnen an Ihrem bisherigen Job nicht? (Achtung, siehe „Vorsicht, Falle“)
  2. Wenn Sie sich aus der Arbeitssuche heraus bewerben: Wie sehen Sie Ihre Situation als Arbeitssuchender? Ggfs.: Warum dauert die Suche nach einer neuen Berufsposition so lange bei Ihnen?

Die Tatsache, dass Sie derzeit arbeitssuchend (als Formulierung so zu verwenden, nicht „arbeitslos“) sind, können Sie nicht leugnen. Sie dürfen es auch nicht, da alle Angaben zu Ihrer Biografie der Wahrheit entsprechen müssen.

Denken Sie an Formulierungen wie

„Die Zeit der Arbeitssuche nutze ich aktiv für die Fortbildungen xxxx, um mich noch gezielter auf den neuen Job vorzubereiten“.

Stellen Sie die positiven Zeiten dar, seien Sie nicht leidend oder dem Schicksal ergeben. Sollten Sie schon länger auf der Suche nach Ihrem Traumjob sein:

„Ich suche gezielt nach xxxx als neuer Herausforderung und möchte mich jetzt für eine Stelle entscheiden, die ich gern und lange ausfülle.“

Grundsätzlich sollten Sie auf die folgende Frage immer eine Antwort wissen:

Was genau motiviert Sie, sich für diese Stelle in diesem Unternehmen zu bewerben?

Fehlerquelle: Selbst wenn Sie sich unter Zeitdruck bewerben und aus diversen persönlichen Beweggründen sehr schnell eine neue Festanstellung erreichen möchten/müssen, zeigen Sie dies nicht. Ihr Gegenüber erwartet, dass Sie sich genau für sein Unternehmen, für genau den ausgeschriebenen Job interessieren und hoch motiviert sind. Niemand stellt einen Bewerber ein, der nur aus Not wahllos einen neuen Job sucht. Zeigen Sie immer Ihre Motivation und Ihr Interesse an genau diesem Job!

Schlechte Antwort:

„Ich fühle mich bei meinem jetzigen Arbeitgeber unwohl, die Strukturen sind mir dort zu chaotisch, so dass ich einfach etwas Neues suche.“

Hintergrund: Halten Sie sich mit Kritik an Ihrem Arbeitgeber zurück. Seien Sie aber genauer, motivierter, wenn es darum geht, Ihre Gründe für den Jobwechsel zu erklären. Warum Sie bei der neuen Firma arbeiten möchten, wird hier nicht mit einer Silbe erwähnt.

Eine bessere Antwort:

„Ich habe jetzt 3 Jahre bei der Firma XY im Bereich „Einkauf“ gearbeitet und hier viel gelernt, vieles weiter entwickelt. Jetzt möchte ich aber noch stärker deutschlandweit vernetzt arbeiten, was ich in Ihrem Unternehmen ja sehr gut könnte.“

Erklärung: Ein sachlicher Hinweis, dass Sie bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber über eine bestimmte Zeit etwas gelernt, erarbeitet, aufgebaut haben und jetzt neue Herausforderungen suchen (und zwar speziell die Herausforderung XY bei dem Unternehmen, bei dem Sie sich gerade bewerben) reicht aus, zeigt Diplomatie und Souveränität.

Sind Sie teamfähig?

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt in Ihrem Vorstellungsgespräch werden Kommunikation, Teamfähigkeit und ggf. Führungskompetenzen sein. Gerade in den Social Skills müssen Teams harmonisch und einander ergänzend arbeiten, um mittelfristig erfolgreich zu bleiben.
Bereiten Sie sich daher also sorgfältig auf Fragen zu Ihren Social Skills vor. Sollten Sie in Ihrer Bewerbung mit einem Profil/einer Dritten Seite gearbeitet haben, beziehen Sie das, was Sie dort geschrieben haben, in Ihre Vorbereitung ein, damit Sie sich nicht widersprechen.
Mögliche Fragen:

  1. Arbeiten Sie gern vernetzt im Team?
  2. Arbeiten Sie gern auch eigenständig?
  3. Wie wichtig ist Ihnen Kommunikation?
  4. Wie gehen Sie mit Konflikten im Team um?
  5. Wie gehen Sie mit schwierigen Kollegen um?

Achtung! Bei den letzten beiden Fragen ist erneut Fingerspitzengefühl gefordert!

Zeigen Sie, dass Sie konstruktiv und fair mit Konflikten und schwierigen Kollegen umgehen. Üben Sie auf keinen Fall Kritik an Ihrem jetzigen Team oder an einzelnen Kollegen, das hat in einem Vorstellungsgespräch nichts zu suchen. Beweisen Sie vielmehr, dass Sie sachlich bleiben und lösungsorientiert sind.

Beispiel:

„Konflikte treten sicherlich immer wieder punktuell auf, wenn in einem Team unterschiedliche Meinungen aufeinander prallen. Mir ist es wichtig, schnell zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Ich höre mir immer beide Standpunkte an, moderiere dann die unterschiedlichen Positionen und versuche, gemeinsam zu einer Lösung zu kommen.“

Oder:

„In der Kommunikation mit Kollegen finde ich es wichtig, fair und transparent zu bleiben. Selbst wenn man nicht in allen Punkten auf einer Wellenlänge ist, bleibt man so gemeinsam im Boot und erreicht gemeinsam Ziele.“

Wie übernehmen Sie Führungsverantwortung?

  1. Können Sie Prioritäten setzen?
  2. Können Sie sich auch durchsetzen?
  3. Übernehmen Sie gern Verantwortung?
  4. Wie definieren Sie Ihren Führungsstil?

Gerade wenn Sie sich für eine Stelle bewerben, die Führungsverantwortung erfordert, sollten Sie Ihren Führungsstil gut charakterisieren können. Der Personaler muss aus Ihrer Formulierung schon erkennen können, ob Ihr Stil zu der Aufgabe und zu Ihrem Team passt. Üben Sie also gerade diesen Part des Gesprächs, sollte es Ihnen noch nicht wirklich leicht fallen, Ihren Führungsstil in Worte zu fassen.

Lücken im Lebenslauf?

Bleiben Sie realistisch: Lücken im Lebenslauf sieht jeder Personaler. Und mit einer großen Wahrscheinlichkeit wird er Sie auch darauf ansprechen.

CVLab-Tipp: Halten Sie sich immer an die Wahrheit bei Ihrer Antwort! Natürlich können Sie Lücken charmant verpacken, leugnen Sie sie aber nicht!

Beispiel:

„Nach dem Abschluss Ihres Volontariats haben Sie jetzt immer noch keinen neuen Job, und das seit 8 Monaten. Wie kommt das?“

Schlechte Antwort:

„Ich habe irgendwie nicht das Richtige gefunden und wollte auch nicht für eine unglaublich schlechte Bezahlung voll arbeiten.“

Erklärung: Motivationslos, wenig dynamisch, ein wenig nörglerisch –so kommt diese Antwort beim Gegenüber an. Niemand möchte einen Mitarbeiter einstellen, der so resigniert wirkt. Zeigen Sie daher eher Ihre Motivation, auch in einer schwierigen Situation nicht aufzugeben sondern diese zum eigenen Vorteil zu nutzen. Stellen Sie dar, wie Sie diese 8 Monate durch Weiterbildung und Networking genutzt haben, um Ihr Profil zu verbessern.

Besser:

„Ich hatte auch gehofft, dass der Berufsstart nach dem Volontariat unkomplizierter geht. Jetzt habe ich die Zeit aber genutzt, um noch einen mit einem Kurs mein Business English zu verbessern und habe mich im Bereich der Social Media im Networking noch aktiver gezeigt und viele neue Fachkontakte geknüpft.“

Weitere Standardfragen im Vorstellungsgespräch

Auf folgende mögliche Fragen sollten Sie sich vorbereiten. Sollte Ihnen eine Frage schwer fallen, überlegen Sie gemeinsam mit einem Freund, welche Antwort für Sie gut passt.

  1. Worin liegen Ihre Stärken? Und Ihre Schwächen?
  2. Was war Ihr größter Misserfolg? Und Ihr größter Erfolg?
  3. Was war die größte Herausforderung Ihres Lebens?
  4. Wie gehen Sie mit Niederlagen um?
  5. Wie gehen Sie mit Fehlern um?
  6. Arbeiten Sie gut unter Zeitdruck? Können Sie souverän mit Ihrer Zeit umgehen?
  7. Geraten Sie schnell in Stress? Wie gehen Sie damit um?
  8. Wo sehen Sie sich beruflich in 5 Jahren?
  9. Wie stellen Sie sich Ihren idealen Arbeitsbereich vor?
  10. Sind Überstunden ok für Sie?
  11. Sind Sie bereit, für Ihren Job auch Dienstreisen zu unternehmen?
  12. Würden Sie für Ihren neuen Job auch umziehen?
  13. Können Sie „nein“ sagen?
  14. Wie würde ein Kollege Sie beschreiben?
  15. Warum sollten wir unbedingt Sie einstellen?
  16. Ab wann können Sie bei uns anfangen?

 

Susann Damati

Über ein Studium der Geschichte und Englischen Literatur in Düsseldorf sowie anschließend weitere berufliche Etappen führte mich der Weg zu der Verlag Dashöfer GmbH in Hamburg, einem Wirtschaftsfachverlag.

More Posts


CVLab - einfach bewerben


DE


Login