Unerwartete Fragen im Vorstellungsgespräch

Kreativität und lösungsorientierte Einstellung im Vorstellungsgespräch

  • Was können Sie mit einem Blatt Papier noch tun außer darauf zu schreiben?
  • Was können Sie mit einem Pappkarton alles anstellen? Fallen Ihnen mindestens 5 Dinge ein?
  • Ein Buntstift steckt in einem Mixer fest. Wie kommt der da wieder raus?
  • Bilden Sie so schnell es geht fünf Sätze aus dem Wort BLAU, bei denen das erste Wort mit „B“, das zweite mit „L“, das dritte mit „A“ und das vierte mit „U“ beginnt. Wie: Berta liest abends Unterhaltungsliteratur.
  • Was ist Ihre Lieblingsfarbe? Welche 5 Gegenstände in dieser Farbe fallen Ihnen spontan ein?

Worum geht es?

Alles absurde Fragen, die in einem Vorstellungsgespräch nur Verwirrung stiften? Das stimmt so nicht ganz. Zum einen geht es im Vorstellungsgespräch auch immer darum, souverän auf überraschende und scheinbar unsinnige Fragen zu reagieren. Hinter der oben stehenden Art von Fragen steht jedoch das gemeinsame Thema „Kreativität und Lösungsorientierung“.

Wie könnten Sie antworten?

Zeigen Sie als kreative Lösungsansätze, wenn es darum geht, was Sie alles mit einem Blatt Papier anstellen können. Sie können es zur Origami-Faltkunst verwerten oder als Namensschild im Büro aufhängen, Sie können damit einen Stern basteln und ihn an Ihrem Fenster aufhängen. Oder ein Papierschiff, ein Hütchen etc.

Sollte Ihre künftige Stelle etwas mit Texten zu tun haben, nennen Sie gern ganz schlicht die Funktion des Blatt Papiers zum „darauf schreiben“. Simpel, aber zutreffend.

Indem Sie schnell und gelassen reagieren, landen Sie einen ersten, sicheren Punkt beim Personaler, der Sie mit dieser Frage aus der Reserve locken wollte.

Den zweiten Punkt gewinnen Sie durch Ihre offene Art, mit der Sie locker und schnell Lösungen anbieten.

Sie wissen aber partout nicht, wie der Buntstift aus dem Mixer heraus kommt? Solange Sie nicht als Ingenieur tätig werden möchten, müssen Sie nicht zwangsläufig eine sichere Antwort zu dieser Frage anbieten.

  • Zeigen Sie, dass Sie Probleme nicht nur allein lösen, sondern die Kompetenzen in einem Team dazu holen. Im Team, zusammen mit Technik-Experten, müsste es ja gelingen, den Buntstift aus dem Mixer heraus zu bekommen.
  • Beweisen Sie Ihre sozialen Kompetenzen, indem Sie anderen Experten Lösungen zutrauen und diese auch annehmen können.
  • Die Lösung zu der Frage erarbeiten Sie also in Teamarbeit, behalten aber in dem Team „den Hut auf“, indem Sie Aufgaben verteilen und Lösungen präsentieren.

Unerwartete Fragen mit Superhelden!

  • Wie halten Sie den Kampf zwischen Superman und Batman auf?
  • Wer ist stärker: Spiderman oder Catwoman?
  • Wer war der Held Ihrer Kindheit?

Superhelden im Vorstellungsgespräch – was soll das nun wieder?

Worum geht es?

Allen Superhelden lassen sich bestimmte Eigenschaften, Fähigkeiten und Stärken, zuordnen.

  • Es geht um Mut & Furchtlosigkeit, Durchsetzungsvermögen, Sieger- und Heldentypen, Stärke, Wendigkeit und den Glauben an Visionen.

Durch Ihre Antwort auf eine Superhelden-Fragen zeigen Sie Ihre Einschätzung dieser Fähigkeiten und Ihre Wertschätzung für bestimmte Stärken. Sie geben damit vielleicht auch einen Hinweis, wie Sie diese Stärken bewerten. Ist Ihnen Geschicklichkeit wichtig, oder kommt es Ihnen auf das Tempo an? Bewerten Sie Durchsetzungsvermögen und Willensstärke als sehr positiv?

Bei der Frage, wie Sie den Kampf zwischen Superman und Batman aufhalten, geht es vor allem um Konflikte.

Sie zeigen mit Ihrer Antwort, wie Sie mit Konflikten umgehen. Vielleicht antworten Sie in einer diplomatischen Art und finden eine Lösung, wie Superman und Batman ohne Konflikt Ihre Stärken ausleben können. Moderieren Sie den Konflikt und gestehen Sie jedem Superhelden seine ganz besonderen Stärken im eigenen Raum zu. Beide Helden können sich ja theoretisch ergänzen und im Team noch stärker sein.

So könnten Sie antworten:

„Ich lade Superman und Batman an den Round Table ein. Im Gespräch vermittele ich, dass es heute viel mehr darum geht, gemeinsam für positive Werte und für Stärken zu stehen als ein Einzelkämpfer zu bleiben.“

Logische Fragen im Vorstellungsgespräch

  • Wie viele Fenster gibt es in Hamburg?
  • Wie würden Sie den Eiffelturm bauen?
  • Wie viele Ampeln gibt es in Berlin?
  • Wie viele Kalorien finden sich gesammelt in einem Supermarkt wieder?

Worum geht es?

Bei Fragen dieser Art zeigen Sie, wie Sie mit schwierigen, fordernden Aufgaben umgehen. Zeigen Sie, dass Sie planvoll vorgehen und sich Expert/-innen mit ins Boot holen bei Aufgaben, die für Sie allein ggfs. zu viel sind bzw. deren Lösung sonst zu lange dauern würde.

Seien Sie ehrlich, denn auf eine solche Frage weiß niemand spontan eine Antwort. Sie können aber eine Schätzung abgeben und zeigen, wie Ihr Rechenweg dorthin ist.

Eine mögliche Antwort:

„Ich nehme die Anzahl an Fenstern in einem vierstöckigen Haus als Grundlage, lege eine durchschnittliche Hausbreite fest und rechne dann hoch auf einen Quadratkilometer. Die Größe Hamburgs in Quadratkilometern kann ich spontan nicht sagen, weiß aber, wo ich recherchiere bzw. wen ich fragen kann.“

Oder:

„Um den Eiffelturm zu bauen, erarbeite ich einen Projekt-Plan. Dazu hole ich mir einen Bau-Ingenieur ins Team, damit wir gemeinsam eine realistische Planungsgrundlage habe. Für das finanzielle Budget und das Controlling bin ich verantwortlich, ebenso für das gesamte organisatorische Projektmanagement. Den Bau selbst mit allen Herausforderungen übergebe ich an das Ingenieurs-, Statiker-, Handwerkerteam.“

Bunte Fragen im Bewerbungsgespräch?

  • In welcher Farbe würden Sie Ihr Büro streichen, wenn Sie jetzt spontan auswählen dürften?
  • Welche Farbe hat Ihr Gehirn?
  • Und was ist Ihre Lieblingsfarbe?
  • Wie würden Sie einem Blinden die Farbe „gelb“ beschreiben?

Was steht dahinter?

Farben werden in der Psychologie jeweils Stimmungen zugewiesen. Sollten Sie zum Beispiel „rot“ als Lieblingsfarbe angeben, steht das für eine offensive, dynamische Art. Sollten Sie Ihr Gehirn „blau“ sehen, könnte es darauf schließen lassen, dass Sie insgesamt recht entspannt sind.

Daher ist die Farbwahl immer ein kleiner (manchmal auch humorvoll gemeinter) Test, der zeigt, in welche Richtung Ihre Grundstimmung sein könnte. Einen sehr großen Stellenwert sollten Sie diesen Fragen aber nicht zumessen, es sei denn, das Vorstellungsgespräch läuft insgesamt sehr differenziert darauf hinaus, Sie von Ihrer Persönlichkeitsstruktur einem bestimmten Typ zuordnen zu wollen.

Phantasievolle Fragen im Bewerbungsgespräch

  • Was denken Sie über Gartenzwerge?
  • Kennen Sie die Namen der sieben Zwerge aus dem Märchen?
  • Wenn Sie eine Frucht wären, für welche würden Sie sich entscheiden?

Worum geht es?

Zeigen Sie hier, dass Sie auch in stressigen Situationen humorvoll und schlagfertig reagieren können. Wenn Sie die Namen der sieben Zwerge nicht kennen, antworten Sie freundlich so, dass Sie gern die Namen recherchieren, falls erforderlich. Zeigen Sie bei allen Fragen dieser Art, dass Sie offen sind auch für ungewöhnliche Fragen, nie den Humor verlieren und immer konstruktiv bleiben. Mehr muss nicht sein!

Wenn Sie von Ihrer Kommunikationsart locker sind und Ihnen ein diplomatischer Konter nicht schwer fällt (und vor allem nicht bissig rüber kommt), dann könnten Sie auf die Frage nach den Namen der Sieben Zwerge auch fragen, ob das Gegenüber dies denn wüsste. Sie selbst müssten es ja auch noch recherchieren.

Bleiben Sie sich und der Art, wie Sie kommunizieren, immer treu. Gerade in einem Vorstellungsgespräch ist es nicht an der Zeit, witzige Konterattacken zu trainieren, wenn dies bislang nicht Ihr Fall war.

Vorstellungsgespräch-Storytelling

  • Was ist das Verrückteste, das Sie in Ihrem Leben getan haben?
  • Was ist Ihr größter Erfolg?
  • Welche Entscheidung bedauern Sie am meisten?
  • Welche Niederlage in Ihrem Leben beschäftigt Sie noch heute?
  • Erzählen Sie uns die Highlights Ihrer Lebensgeschichte?

Was steckt dahinter?

Diese Fragen bieten Ihnen die Gelegenheit, sich im Bewerbungsgespräch noch besser persönlich vorzustellen.

Achtung: Verfallen Sie bei einer solchen Fragestellung nicht in das lockere, private Plaudern, zu dem diese Fragen vermeintlich einladen.

Beispiel: Wenn Sie eine verrückte Begebenheit aus Ihrem Leben anführen, dann passt in ein Vorstellungsgespräch eine abenteuerliche Reise, der letzten Endes dann doch erfolgreiche berufliche Neustart, eine ausgefallene Sprache, die Sie erlernt haben etc.

Suchen Sie immer aktiv den Bezug zu etwas Positivem, das Sie in Ihrem Bewerbungsgespräch als Punkt aufführen möchten, wie Sprachkenntnisse, Mut beim Reisen, kreative Hobbies etc.

Beispiel: Wählen Sie die Niederlage, von der Sie berichten, mit Bedacht aus! Vielleicht fällt Ihnen eine Situation ein, aus der Sie nach einer Krise etwas Positives gewonnen haben. Vielleicht hat eine Krise Sie zu einem motivierten Neustart bewegt und in Ihnen neue Energie freigesetzt? Solche eine „Niederlage“ ist letzten Endes etwas Kreatives, das zeigt, wie Sie mit Schwierigkeiten und Rückschlägen umgehen – konstruktiv und in die Zukunft schauend.

Susann Damati

Über ein Studium der Geschichte und Englischen Literatur in Düsseldorf sowie anschließend weitere berufliche Etappen führte mich der Weg zu der Verlag Dashöfer GmbH in Hamburg, einem Wirtschaftsfachverlag.

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